Mit ‘verdi’ getaggte Beiträge

(Pegnitzpirat dokumentiert mal wieder einen Artikel der Nürnberger Nachrichten zum Tarifskandal der AWO in Mittelfranken vom 4.12.2012)

Der Betriebsrat der Fürther Arbeiterwohlfahrt ist alarmiert: Der Kreisverband hat seine Vollmitgliedschaft im Arbeitgeberverband aufgegeben, um nicht an den Tarifabschluss vom Oktober gebunden zu sein. Dabei geht es um einen konkreten Punkt: eine vereinbarte Sonderzahlung an Mitglieder der Gewerkschaft ver.di.Von der tariflich vereinbarten Einmalzahlung würde nur ein Teil der Awo-Beschäftigten profitieren. Unser Bild entstand in der Awo-Mittagsbetreuung in Zirndorf.

Einen „Tabubruch“ wirft Betriebsrat Thomas König den Verantwortlichen des Kreisverbands Fürth-Stadt vor. „Tariftreue“, sagt er, „ist etwas Unumstößliches.“ In der Vergangenheit seien zwar immer wieder Kreisverbände aus wirtschaftlicher Not aus dem Arbeitgeberverband ausgeschert – so auch jüngst der angeschlagene Kreisverband Nürnberg; seines Wissens nach gebe es bei der Arbeiterwohlfahrt in Fürth aber keine Probleme dieser Art. Vielmehr handle es sich um eine „reine Machtdemonstration“, die sich gegen den sogenannten ver.di-Bonus richte: Diese Einmalzahlung an Mitglieder in Höhe von 135 Euro sieht der Tarifabschluss vor, den der Arbeitgeberverband Awo Bayern im Herbst mit der Gewerkschaft ausgehandelt hat. Doch der Bonus ist umstritten, weiß auch König. Von den rund 430 Beschäftigten des Fürther Kreisverbands ist der Großteil nicht bei ver.di organisiert; nur ein Viertel würde in den Genuss der Zahlung kommen.

König erklärt den Hintergedanken bei diesem Bonus wie folgt: Zwar profitieren alle Beschäftigten von Tarifsteigerungen, ermöglicht würden sie aber durch jene Arbeitnehmer, die mit ihren Mitgliedsbeiträgen die Gewerkschaft stärken, deren Vertreter den Arbeitgebern am Verhandlungstisch gegenübersitzen. Die Einmalzahlung sei daher eine „symbolische Anerkennung“ für ver.di-Mitglieder. König betont, dem Fürther Awo-Betriebsrat gehe es nicht in erster Linie um den Bonus. Man wehre sich aber massiv gegen den Austritt des Kreisverbands aus dem Arbeitgeberverband, denn ohne Tarifbindung könne die Arbeitgeberseite „nach Gutsherrenart“ darüber entscheiden, welche Punkte eines Vertrags sie übernehmen wolle. „Wir fordern daher eine komplette Übernahme“, sagt König, „und der Bonus gehört nun mal dazu.“

Bei der Fürther Awo stößt er damit auf taube Ohren. „Wir wollen ein Zeichen setzen“, sagt Udo Weißfloch, der bis zum Jahresende kommissarisch die Geschäfte führt. Er empfindet den ver.di-Bonus als „ungerecht“ und „unsolidarisch“. Gerade untere Lohngruppen wie Servicekräfte oder junge Fachkräfte würden nicht davon profitieren, weil sie sich eine Mitgliedschaft bei ver.di nicht leisten könnten oder wollten. Laut Weißfloch wechselte der Kreisverband innerhalb des Arbeitgeberverbands vom Vollmitglied in den Status eines kooperativen Mitglieds, was eine schnelle Rückkehr ermögliche. Außerdem werde man – abgesehen von der Einmalzahlung – alle tariflichen Vereinbarungen übernehmen; auch Weihnachtsgeld werde ausgezahlt. „Und das werden wir auch künftig tun“, verspricht Weißfloch. Den ver.di-Bonus kritisiert er zudem als „Werbemaßnahme“ der Gewerkschaft. „Wir wollen aber, dass sich die Beschäftigten frei entscheiden.“

Die Awo im Landkreis Fürth ist ebenfalls nur noch kooperatives Mitglied im Arbeitgeberverband. Auch hier gehe es „in erster Linie“ um den ver.di-Bonus, sagte der stellvertretende Vorsitzende Manfred Lober auf FN-Anfrage. Die Awo werde zu einem großen Teil über Steuern finanziert, „da können wir mit dem Geld doch nicht einen Teil des Jahresbeitrags von Gewerkschaftsmitgliedern finanzieren“, so Lober. Sobald der Bonus „vom Tisch ist“, werde die Landkreis-Awo wieder Vollmitglied. Heute um 14 Uhr treffen sich Geschäftsführung und Angestellte der Awo Fürth-Stadt zur Betriebsversammlung. „Die Belegschaft ist mobilisiert“, sagt Betriebsrat König. „Ich bin mir sicher, dass es sehr lebhaft zugehen wird.“

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(Zitat nach Nürnberger Nachrichten vom 12.11.2012, SS 9 und 13)

Die Arbeiterwohlfahrt Nürnberg kann das Weihnachtsgeld nun doch an ihre Mitarbeiter auszahlen. Jedoch erklärt Awo Geschäftsführer Helmut Herz die Verhandlungen mit ver.di um einen Nottarifvertrag gescheitert.

Das Weihnachtsgeld für die Mitarbeiter der kriselnden Awo Nürnberg ist gesichert. Das hat die Verbandsspitze gestern bekannt gegeben. Ein Berater erarbeitet derzeit ein Konzept, das der Awo helfen soll, aus der finanziellen Schieflage zu kommen. In den Kassen der Arbeiterwohlfahrt Nürnberg klafft eine „Liquiditätslücke“ von Mindestens einer Million Euro. Kündigungen standen im Raum, es sah so aus, als könnte die Awo das Weihnachtsgeld an ihre Mitarbeiter nicht auszahlen. Drei Wochen land haben Awo und ver.di über einen Nottarifvertrag verhandelt. Die Gespräche scheiterten, den Vertrag wird es nicht geben.

„Wir können die Forderungen von Ver.di nicht erfüllen“ erklärte Awo Geschäftsführer Helmut Herz. Die Gewerkschaft erwartet, die Awo Tochter ArbeWe gGmbH an der Konsolidierung zu beteiligen. Doch das sei unmöglich. Herz „Wir können bei der ArBeWe nicht einfach so in die Kasse greifen.“ Was dort mit den Erlösen passiert sei in der Werkstättenverordnung klar geregelt. „Mitarbeiter müssen bezahlt, Rücklagen gebildet werden.“ Dennoch soll jeder der 550 Awo Mitarbeiter Ende November ein Weihnachtsgeld in Höhe von 1000 Euro auf dem Konto haben. Angestellte, denen aufgrund ihres höheren Einkommens mehr zusteht, erhalten den Rest gestaffelt im Dezember und Januar. „Damit ist für die unteren Lohngruppen das volle Weihnachtsgeld gesichert“, so Vorstandsmitglied Angelika Weikert.

Doch wie funktioniert das? Der Kreisverband schlägt einen neuen Weg ein. Er löst sich als Vollmitglied aus dem Arbeitgeberverband der Awo Deutschland heraus und fungiert nur als kooperatives Mitglied. Folge: Er ist nicht an den neu ausgehandelten Tarifvertrag zwischen ver.di und Awo-Verbänden gebunden. Gültigkeit hat für die Awo-Nürnberg alleine der alte Tarifvertrag- ohne ausgehandelten Lohnerhöhungen. „Wir rechnen in unserem Haushalt immer einen Puffer ein, mit dem die Gehaltssteigerung hätte finanziert werden sollen“, erklärt Weikert. Diesen „Puffer“ will die Verbandsspitze nun für das Weihnachtsgeld verwenden.

Ziel aber ist: wieder Vollmitglied im Arbeitgeberverband zu sein. Die Awo Nürnberg hat einen Unternehmensberater beauftragt, dafür bis Ende des Jahres ein Konzept zu erarbeiten. Geprüft werden soll auch, ob 15 Mitarbeiter in der Verwaltung tatsächlich gekündigt werden muss – oder ob es Wege gibt, sie zu halten.

(Pegnitzpirat dokumentiert diesen Artikel im Internet, da die SPD nahe NN dies selbst nicht tut.)